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RobA - Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan


Das Verfahren Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan wurde für alle Reviere in Baden Württemberg am 01.04.2016 eingeführt. Im Vorfeld dieser Einführung fand ein neunjähriger Modellversuch statt. Nach erfolgreichem Verlauf der ersten Versuchsphasen (2007 – 2012) mit einer überwiegend sehr positiven Einstellung der Versuchsteilnehmer zum Modellversuch wurde eine stufenweise, landesweite Einführung des Verfahrens bis zum 01.04.2016 beschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten jährlich weitere Kreise auf freiwilliger Basis in das neue Verfahren im Rahmen des Modellversuches eingebunden werden. Für Beteiligte entstand dadurch die Chance, im Rahmen des Modellversuches schon Erfahrungen mit dem neuen Verfahren zu sammeln.

Im Rahmen des Modellversuches wurde erst in kleineren Versuchseinheiten (Bsp: Reviergemeinschaften, Hegeringe, Hegegemeinschaften) später in ganzen Landkreisen auf freiwilliger Basis erprobt, ob die Festsetzung und der Vollzug des Rehwildabschusses in eigener Verantwortung der Jagdrechtsinhaber und Jagdausübungsberechtigten durchgeführt werden kann. Darüber hinaus sollten die Auswirkungen des eigenverantwortlichen Handelns auf Wild und Naturhaushalt, aber auch auf Jäger und Grundeigentümer aufgezeigt werden. Der Modellversuch konnte die Eigenverantwortung von Jagdrechtsinhabern und Jagdausübungsberechtigten durch den Wegfall staatlichen Handelns stärken. In gleichem Maße wurde eine Verwaltungsvereinfachung durch den Wegfall eines Verwaltungsakts und eine damit verbundene Kostenersparnis erreicht.

Der behördliche Abschussplan wurde durch eine Absprache zur Abschussgestaltung zwischen Jagdrechtsinhabern und Jagdausübungsberechtigten ersetzt. Die Rehwildbewirtschaftung einschließlich der Vollzugskontrolle beim Abschuss wurde damit in deren Verantwortung gelegt.

Vorteile der neuen Verfahrensweise:

Die Rehwildbewirtschaftung kann zunehmend einfacher gehandhabt und flexibler an die lokalen Gegebenheiten und aktuellen Erfordernissen angepasst werden. Durch Zielvereinbarungen (i.d.R. forstliche Ziele, Schwerpunktbejagungen), die anstelle von Abschusszahlfestsetzungen oder zusätzlich zu diesen getroffen werden können, wird die Rehwildbewirtschaftung auf eine praxisnähere und problemorientiertere Grundlage gestellt. Die Leistungen der Jäger und Jagdrechtsinhaber werden umfassender beachtet, und die Jagd ist nicht mehr auf die reine, von außen diktierte Abschusserfüllung reduziert. Eigene Zielsetzungen können eher einfließen. Jagdrechtsinhaber setzen sich durch die Vereinbarungsgespräche intensiver mit ihren Aufgaben als Vertreter  des Jagdrechtes auseinander, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Gleichzeitig kann es zu sachdienlichen, angeregten Diskussionen und zum Erfahrungsaustausch mit benachbarten Revieren kommen.

Leitfaden für die Erstellung einer Zielvereinbarung

Absprache bei Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan

Jagdrechtsinhaber (Verpächter) und die Jagdausübungsberechtigten (Pächter) treffen eine Absprache zur Abschussgestaltung (JWMG § 34 (2)). In diese Absprache können verschiedene Zielsetzungen für die Rehwildbewirtschaftung mit einfließen. Die Absprache wird daher auch als „Zielvereinbarung“ bezeichnet.

  • Die Absprache ist eine Vereinbarung auf privater Ebene. Weder hierbei vereinbarte Zielvorgaben für die Abschussgestaltung noch sonstige Inhalte der Vereinbarung werden an die Jagdbehörde weitergeleitet. Lediglich die jährliche Streckenmeldung (für alle Wildarten) wird wie bisher am Ende eines jeden Jagdjahres von allen Jagdbezirken bei der unteren Jagdbehörde eingereicht.
  • In Eigenjagdbezirken (unabhängig der Eigentumsart), welche in Eigenregie bejagt werden, ist die Festlegung von Zielsetzungen zur Rehwildbewirtschaftung erforderlich (JWMG § 34 (2)).
  • Der unteren Jagdbehörde ist nur auf deren ausdrücklichen Wunsch die Zielvereinbarung bzw. Zielsetzung offen zu legen.

Für die Form und die Inhalte der Absprache gibt es im Rahmen der neuen Verfahrensweise keine Vorgaben. Die Beteiligten haben entsprechend völlige Gestaltungsfreiheit.

Art der Zusammenarbeit

Damit eine Absprache zustande kommt, muss man sich zusammensetzen und miteinander reden. Es wird empfohlen im Vorfeld einige Punkte festzulegen:

  • Wann, wo und in welchem Rahmen sollen Besprechungen oder Vorbesprechungen stattfinden?
  • Wer soll an diesen Besprechungen teilnehmen? Die Verpächter und Pächter müssen an diesem Treffen teilnehmen. Die Einbindung weiterer Personen (Förster, Landwirt etc.) ist auf Wunsch möglich, aber nicht dringend erforderlich.
  • Wann und bei welcher Gelegenheit sollen die Ergebnisse der forstlichen Gutachten diskutiert und in die Überlegungen der neuen Vereinbarungen mit einbezogen werden?

Eigenjagdbezirke in Eigenregie

Eigenjagdbezirke, welche in Eigenregie (unabhängig der Eigentumsart) bejagt werden, haben bezüglich der Rehwildbewirtschaftung für ihren Jagdbezirk eine Zielsetzung (analog zur Zielvereinbarung) festzulegen. Da diese Zielsetzungen auf Wunsch auch der unteren Jagdbehörde offengelegt werden müssen, ist es empfehlenswert diese zumindest einmalig schriftlich zu fixieren.

Turnus der Absprache

Im Rahmen der neuen Verfahrensweise ist es verpflichtend eine Vereinbarung alle drei Jahre im Turnus des forstlichen Gutachtens zu erstellen (JWMG § 34 (2)). Dabei handelt es sich um eine Mindestanforderung. Die Möglichkeit, flexibel und unbürokratisch eine Vereinbarung jederzeit an aktuelle Erfordernisse anpassen zu können, ist dabei immer gegeben. Sollte keine Vereinbarung zwischen Jagdrechtsinhaber und Jagdausübungsberechtigtem zu Stande kommen, so ist dies binnen eines Monats nach Jagdjahresbeginn der unteren Jagdbehörde mitzuteilen (JWMG § 34 (3)). Besteht keine Zielvereinbarung kann ein Abschussplan durch die untere Jagdbehörde festgesetzt werden (JWMG § 35 (1))

Form und Inhalt der Absprache

Die Absprache kann mündlich oder schriftlich erfolgen. Um eventuellen Streitfällen bei naturgemäß gegebener Vergesslichkeit vorzubeugen, wird jedoch zu Beginn der neuen Verfahrensweise die schriftliche Form empfohlen. Bei entsprechenden Evaluierungsgesprächen, welche mindestens alle drei Jahre im Turnus des Forstlichen Gutachtens stattfinden müssen, können dann neue Inhalte wiederum schriftlich festgelegt werden. Sollte es zu keinen Veränderungen in der Vorgehensweise kommen, spricht auch nichts gegen eine mündliche Fortsetzung der Vereinbarungen.

Allgemein verfolgte Ziele:

  • Realistischere Einschätzung des notwendigen und möglichen Abschusses unter Berücksichtigung verschiedener, zu gewichtender Gesichtspunkte (z.B. waldbauliche Ziele, Verhältnis Jagdaufwand und -ertrag, Pachtwert usw.).
  • Förderung der  Ehrlichkeit bei Angaben zum Abschussvollzug.
  • Flexible Abschussgestaltung entsprechend aktueller Erfordernisse (z.B. zum Erreichen eines Verjüngungsziels in bezeichneten Abteilungen).
  • Förderung des Dialogs zwischen den Beteiligten.

Hervorzuheben ist noch einmal, dass es im Rahmen der neuen Verfahrensweise ohne behördliche Abschussplanung keine Vorschriften über den Inhalt einer Vereinbarung zur Abschussgestaltung gibt. Es bleiben grundsätzlich alle erdenklichen Gestaltungsmöglichkeiten offen: Von der Festlegung eines detaillierten Abschussplans wie in der Vergangenheit über einen Mindest- und/oder Maximalabschusses bis hin zum Verzicht auf zahlenmäßige Vorgaben zum Abschuss. Empfohlen werden die Abschussvorgaben so flexibel wie möglich zu beschließen, so dass ein den aktuellen Gegebenheiten entsprechendes flexibles Handeln der Pächter ermöglicht wird. Ebenso ist jederzeit die Nachsteuerung einer Absprache möglich, z.B. nach gemeinsamer Besichtigung von Problemflächen.
Ein Verpächter kann seinem Jagdpächter also wesentlich freieren Handlungsspielraum hinsichtlich der Abschussgestaltung lassen als bisher. Je größer der gewährte Handlungsspielraum für die Jagdausübungsberechtigten hierbei ist, desto eher wird es erforderlich, Ziele der Rehwildbewirtschaftung einschließlich der waldbaulichen Ziele für ein Revier genau zu konkretisieren. Zwei wesentliche gesetzliche Vorgaben bleiben in jedem Fall grundsätzlich bestehen: Die Erhaltung eines an die Biotopverhältnisse angepassten Wildbestandes und die Wahrung der berechtigten Ansprüche der Land- und Forstwirtschaft auf Schutz gegen Wildschäden.

Den Parteien steht es frei, mögliche Folgen bei Nichteinhaltung von Absprachen festzulegen. Zur Vermeidung von Eskalationen ist ein gestuftes Vorgehen empfehlenswert: Als erstes sollten Gespräche erfolgen, die eine ggf. notwendige Nachsteuerung der Absprache ermöglichen. Wenn dies zu keinem Erfolg führt, kann die Anmeldung von Wildschäden durch Rehwild erfolgen. Es bleibt schließlich die Geltendmachung von Vertragsverletzungen und als  „ultima ratio“ der kostenpflichtige behördlich festgesetzte Abschussplan bzw. die Beendigung des Pachtverhältnisses. Die von der WFS empfohlenen Vereinbarungsmuster ermöglichen eine flexible Handhabung des Rehwildabschusses.

Ansprechpartner:

Toralf Bauch; Telefon: 0 75 25 / 942 - 346

toralf.bauch@lazbw.bwl.de

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