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Schwarzwildproblematik im Umfeld von Schutzgebieten


Ansprechpartner:

Peter Linderoth
Telefon: 07525 / 942 – 342
Email: peter.linderoth@lazbw.bwl.de

Guido Dalüge
Telefon: 07525 / 942- 344
Email: guido.daluege@lazbw.bwl.de

Laufzeit:

01.01.2013 – 31.12.2015

Auftraggeber:

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg

Finanzierung:

Jagdabgabe mit Co-Finanzierung durch Naturschutzmittel

Problemstellung

In Kernzonen von Schutzgebieten ist die Jagd häufig eingeschränkt (z.B. Biosphärengebiet Schwäbische Alb) oder ganz untersagt (z.B. NSG Wurzacher Ried). Eine möglichst unberührte Natur ohne menschliche Eingriffe ist naturschutzfachliches Ziel für solche Regelungen. Auch aus wildbiologischer Sicht können Jagdruhezonen sinnvoller Bestandteil eines jagdlichen Managements sein (z.B. Linderoth et al. 2010). Allerdings sind insbesondere beim Schwarzwild Einschränkungen der Jagd umstritten und können bereits bei der Planung von Schutzgebieten zu Konflikten führen. Denn die Wildschadensersatzpflicht bleibt in den Revieren, die an das Schutzgebiet angrenzen, bestehen. Die Jäger befürchten, dass sie Schäden nicht mehr unterbinden können, da sich die Wildschweine in die Schutzgebiete zurückziehen und damit einer effektiven Bestandsregulierung entziehen würden. Auch die Landwirtschaft befürchtet eine Zunahme der Wildschäden im Umfeld von Schutzgebieten und sieht Probleme, in Zukunft überhaupt noch Pächter für die betroffenen Jagdreviere zu finden. Sorgen bereitet die Wühlaktivität des Schwarzwilds zum Teil auch dem Naturschutz. Denn zunehmend brechen Wildschweine auch seltene Habitattypen wie Trockenrasen oder Feuchtwiesen um und schädigen oder zerstören dabei schützenswerte Pflanzengesellschaften (z.B. Hug 2008).

Es gibt bislang beim Schwarzwild keine speziellen Untersuchungen zur Auswirkung von Jagdruhezonen auf die Raumnutzung und die Bejagbarkeit sowie in Folge auch auf die Wildschäden und mögliche Beeinträchtigungen oder Förderung von Flora und Fauna mit naturschutzfachlicher Relevanz. Hier besteht Forschungsbedarf, denn jagdliche Einschränkungen sind auch bei zukünftigen Schutzgebietsausweisungen zu erwarten.

Fragestellungen

Folgende Fragestellungen stehen im Fokus:
Wirkt sich die jagdliche Ruhezone auf die Raumnutzung der Wildschweine aus?
Unterscheiden sich die Streifgebiete in Gebieten mit und ohne Jagd?
Hat die Jagdruhe Einfluss auf den Aktivitätsrhythmus, z.B. durch einen höheren Anteil von Tagaktivität?
Wird die Jagdruhezone nur als Tagesruheplatz oder auch zur Nahrungsaufnahme genutzt?
Wie verändern sich die Einstände im Jahresverlauf?
Wie hoch sind die Wildschäden im Umfeld von Schutzgebieten und welche Kulturen sind betroffen?
Welche Probleme bestehen in den Schutzgebieten selbst, potenziell und real?
Welches jagdliche Management ist möglich und sinnvoll?

Projektstruktur

Die Untersuchung ist ein Gemeinschaftsprojekt unter Leitung der Wildforschungsstelle in Aulendorf mit der Universität Freiburg (Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Prof. Ilse Storch) und der Geschäftsstelle des Biosphärengebietes (BG) Schwäbische Alb in Münsingen in Kooperation mit Forst BW und dem Bundesforstamt Heuberg. Der wildbiologische Teil (Telemetriestudie) in allen drei Untersuchungsgebieten wird von der WFS und der Uni bearbeitet. Die Senderdaten bilden die Grundlage der Dissertation von M. Handschuh.

Speziell für das BG wurde als eigenständiger Untersuchungsteil das Tool „Moderiertes Schwarzwildmanagement“ eingerichtet, das von N. Hahn (Wilcon Wildlife Consulting) im Rahmen eines Werkvertrags bearbeitet wird. Hier sollen mögliche Konflikte, die sich in der Raumschaft aufgrund der Jagdeinschränkungen in den Kernzonen des BG ergeben haben, analysiert werden. Auf der Basis von Befragungen und einem Wildschadensmonitoring sollen in einem ausgewählten Modellgebiet um das Kerngebiet Föhrenberg die Konfliktfelder dargestellt und bewertet werden und in einem moderierten Prozess gemeinsam mit der Raumschaft abgestimmte Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden.

Untersuchungsgebiete

  1. NSG Wurzacher Ried. Für die Kernzone (ca. 700 ha) gilt: Betretungsverbot ohne jede Nutzung
  2. Biosphärengebiet Schwäbische Alb, Kernzone Föhrenberg. Für die Kernzone (ca. 170 ha) gilt: Keine wirtschaftliche Nutzung, keine Kirrung und Einzeljagd erlaubt, Betreten nur auf ausgewiesenen Wegen
  3. Altdorfer Wald (> 1.000ha): Referenzfläche ohne jagdliche Einschränkung

Methoden

  1. Fang und Besenderung von Wildschweinen mit GPS-GSM Satellitenhalsbändern der FA. Vectronic, Berlin mit automatischem drop-off und Aktivitätssensor
  2. Detaillierte Raumnutzungs- und Aktivitätsanalyse in den drei Untersuchungsgebieten
  3. Dokumentation der Tag- und Nachtaktivität in den verschiedenen Gebieten
  4. Erfassung von Grünlandschäden im Umfeld der Fallenstandorte
  5. Darstellung der Verbreitung und relativen Häufigkeit von Schwarzwild anhand der Jagdstrecken auf Revierebene
  6. Moderiertes Schwarzwildmanagement zur Entwicklung einvernehmlicher Lösungswege unter Einbindung von Vertretern aller relevanten Interessensgruppen (nur BG Schwäbische Alb)

Literatur:

Linderoth, P. & M. Pegel & A. Elliger & T. Liebl &, S. Seitler 2010:
Schwarzwildprojekt Böblingen. Studie zum Reproduktionsstatus, zur Ernährung und zum jagdlichen Management einer Schwarzwildpopulation. Wildforschung in Baden-Württemberg Band 8. Hrsg.: Wildforschungsstelle beim Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg.

Hug, M. 2008: Einfluss des Schwarzwildes auf naturschutzrelevante Grünlandflächen. Wildforschung in Baden-Württemberg Band 7, 15 -16. Hrsg.: Wildforschungsstelle beim Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg.

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